Obstsorten

Kernobst

Jaköble Birne

Die „Jaköble“-Birne ist eine alte Ortenauer Lokalsorte. Wir besitzen einen sehr alten Baum dieser Sorte, der ca. 15 m hoch ist. Die Sorte ist sehr robust, so dass wir ganz ohne Pflanzenschutz auskommen. Wurmige und faule Früchte, die es je nach Witterung mehr oder weniger geben kann, werden einfach aussortiert.

Die Ernte erfolgt von Hand von der Leiter aus. Das ist bei dieser Baumgröße zwar sehr arbeitsintensiv, schont aber den alten Baum, und erlaubt es, die Früchte unbeschädigt nachreifen zu lassen.

Die Früchte sind eher klein und haben eine braune raue Haut, die jedoch auf der Sonnenseite schöne rote Backen bekommt. In früheren Zeiten wurden Jaköble-Birnen getrocknet und als Birnenschnitze für den Winter konserviert.

Die alte Lokalsorte auf ihrem stolzen Baum hat einen ganz eigenen Charakter, der sich im Destillat in einem sortentypischen Birnenaroma wiederfindet. 

Williams Christ Birne

Der Anbau der Williams Christ Birne lässt sich bis ins Jahr 1770 zurückverfolgen. Dank ihrer vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten und ihres besonderen Geschmacks ist sie heute weltweit im Anbau. 

Wegen der großen Nachfrage sowie ihrer Anfälligkeit für Schorf und Feuerbrand wird die Williams Christ Birne meist in Intensivanlagen kultiviert. Dort lässt sie sich pflanzenschutztechnisch gut behandeln, so dass ansprechende und marktfähige Früchte erzeugt werden können.

Auch für die Verwendung in der Brennerei sind ausschließlich perfekte Früchte sinnvoll, da nur sie alle Inhaltsstoffe enthalten, die im Destillat für das ausgeprägte typische „Willi“-Aroma sorgen.

 

Wahlsche Schnapsbirne

Die „Wahlsche Schnapsbirne“ wächst bei uns auf stattlichen hochstämmigen Bäumen. Die Sorte ist ein Sämlingsfund, der seit den 1980er Jahren vermehrt und angebaut wird. Die Früchte werden vollreif vom Baum geerntet und von Hand sortiert. 

Nur die besten Birnen werden eingemaischt. Die Früchte haben ein intensives Birnenaroma, was die Wahlsche Schnapsbirne zu einer idealen Brennfrucht macht. Die Destillate der Wahlschen Schnapsbirne zeichnen sich durch ihr mildes, aber dennoch vollmundiges Birnenaroma aus.

Bereits vor 4000 Jahren wurden Quitten im östlichen Kaukasus angebaut, was den Wert dieser Frucht eindrücklich unterstreicht. Der Baum der Quitte ist eher klein. Manchmal wächst die Quitte gar nur als Busch.

Die Blüte ist ausgesprochen dekorativ. Blühende Quittenbäume im Mai sind eine wahre Augenweide. Im Herbst erfreuen dann die goldgelben Quitten im dunkelgrünen Laub das Auge. 

Auf alten Bauernhöfen findet sich nicht selten ein alter Quittenbaum, der die Blicke auf sich zieht. Die reifen Quittenfrüchte verströmen einen betörenden zitrusartigen Duft. Auf der Frucht sitzt ein feiner Flaum, der Bitterstoffe enthält und vor der Verarbeitung entfernt werden muss. Zudem enthält das Fruchtfleisch viele Steinzellen, so dass die Frucht sehr hart und dementsprechend schwer zu verarbeiten ist.

Quittenbrände sind daher aufwändig in der Herstellung, aber die Mühe wird belohnt mit einem wunderbaren Aroma und einem satten Quittenduft.

Schöner aus Boskoop

Diese Apfelsorte wurde 1856 als Zufallssämling in Boskoop in den Niederlanden entdeckt und in den Folgejahren unter dem Namen „Schöner aus Boskoop“ weit verbreitet. Die Bäume des Boskoop – darauf hat sich mittlerweile der Name längst reduziert – können sehr groß und sehr alt werden, was auch darauf zurückzuführen ist, dass die Sorte robust gegenüber Feuerbrand ist.

Geerntet wird der Boskoop im Oktober. Danach wird der Apfel bis zur Genussreife eingelagert. Bei idealen Bedingungen kann er bis in den März hinein gelagert werden. Der Boskoop ist ein hervorragender und sehr vielfältig verwendbarer Apfel. 

Aufgrund des hohen Säuregehaltes eignet er sich wunderbar für Apfelmus, Kuchen oder Bratapfel.

Die eingelagerten Äpfel reifen nach und werden immer wieder sortiert, so dass am Ende immer nur perfekte Äpfel im Brennkessel landen. Brände vom Boskoop bestechen so durch feinfruchtige und frische sortentypische Apfelnoten.

Steinobst

Heidewälder Kirsche

Die Heidewälder Kirsche ist eine beinahe vergessene Ortenauer Lokalsorte. Die Bäume werden besonders groß und sind sehr widerstandsfähig und gesund. Heidewälder Kirschbäume können weit über hundert Jahre alt werden. Heutzutage muss man freilich suchen, um so alte Bäume zu finden. Die Heidewälder ist die erste Kirschensorte, die blüht. Daher fallen die Bäume im Frühjahr besonders auf. Die Sorte trägt sehr reich. 

Die Früchte sind satt dunkelbraun bis schwarz und haben ein festes Fruchtfleisch. Sie sind auffallend süß mit einem leicht herben Ton und einem ausgeprägtes Kirscharoma, was die Heidewälder von allen anderen Brennkirschen abhebt. 

Reizvoll: Diese geschmacklichen Eigenschaften finden sich eins zu eins auch im Brand der Heidewälder wieder. 

Benjaminler Kirsche

Die Kirsche wurde in den 1920er Jahren in Achern-Mösbach von der Familie Klump („‘s Benjamine“) entdeckt. Daher hat sie ihren Namen. Typisch für diese Sorte sind sehr große, landschaftsprägende Bäume, die bis zu 100 Jahre alt werden können. Die Benjaminler Kirsche gehört in der Ortenau zu den beliebtesten Brennsorten.

Die Früchte sind fast schwarz, sehr süß und fallen durch ihr ausgeprägtes Aroma mit feiner Säure auf.

Wildkirsche

Die Wildkirsche ist keine Sorte im eigentlichen Sinn. Unter Wildkirsche wird in der Regel die Vogelkirsche, die Urform aller Kirschsorten, verstanden. In der Praxis gelten alle Sämlinge als „wild“, solange sie nicht mit einer bestimmten Sorte veredelt wurden. Die Bäume können sehr groß und sehr alt werden. Da die Wildkirschen kaum kultiviert werden, ist es schwierig, beerntbare Bäume zu finden.

Die Früchte sind fest mit dem Stiel verbunden, so dass sie schwer zu ernten sind. Hinzu kommt, dass die Früchte gewöhnlich sehr klein sind. Beides macht die Ernte der Wildkirsche extrem arbeitsintensiv. 

Die Wildkirsche kommt in allen möglichen Größen, Formen und Farben vor. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie eher klein sind. Dafür ist der Stein im Verhältnis zum Fruchtfleisch verhältnismäßig groß, was freilich einen willkommenen Effekt mit sich bringt: Wildkirschenbrände duften reizvoll nach Marzipan. Da der Geschmack der Wildkirschen in der Regel sehr intensiv ist, lassen sich aus dieser Frucht aromaintensive und komplexe Brände gewinnen.

 

Mirabelle Nancy

Die Sorte stammt aus Frankreich und wird dort schon seit 1490 kultiviert. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wird sie auch in Deutschland angebaut. Sie ist nach der Stadt Nancy in Lothringen benannt.

Es ist die in Europa am weitesten verbreitete Mirabellensorte, was auf ihren hervorragenden Geschmack, die gute Baumgesundheit und die hohen und regelmäßigen Erträge zurückzuführen ist. 

Im Brand zeigt sich das typische Mirabellenaroma mit einer würzigen, fruchtigen und intensiven Note.

 

Bühler Zwetschge

Die Bühler Frühzwetschge wurde 1854 als Zufallssämling in Kappelwindeck bei Bühl (Baden), also keine 25km von uns entfernt, entdeckt. In den folgenden 100 Jahren wurde sie zur Hauptsorte der Region. Ihre Früchte wurden nach ganz Deutschland versandt. Die „Bühler“, wie sie bei uns schlicht und einfach genannt wird, brachte so Wohlstand in die Region und war Vorreiter für den Obstbau in der Ortenau, wie wir ihn heute kennen. Seit den 1970er Jahren geht ihr Anbau massiv zurück, da besser auf die Anforderungen des Handels optimierte Neuzüchtungen den Vorzug im Anbau bekommen. Der Geschmack der Bühler wird jedoch kaum erreicht. Gerade deshalb ist die Bühler eine wunderbare Brennfrucht.

Zudem wird der Baum der Bühler, wenn auf Hochstamm gezogen, viele Jahrzehnte alt. Auch heute noch findet man in der Region immer wieder typische uralte und knorrige Bäume der Bühler Zwetschge.

Die Früchte reifen bei uns im August. Sie schmecken wunderbar süßsauer und sind sehr saftig. Auch als Belag auf dem Zwetschgenkuchen ist die Bühler unübertroffen.

 

Hauszwetschge

Als Hauszwetschge gilt eine ganze Sortengruppe. Diese sehr alte Zwetschge wird bereits seit dem 17. Jahrhundert in Deutschland angebaut. Von ihr gibt es mehrere Selektionen. Die Bäume können sehr groß und alt werden. Allerdings ist die Sorte nicht scharkatolerant, so dass der Anbau stark zurückgeht. 

Die Früchte reifen bei uns im September. Sie sind sehr süß, aber gleichzeitig leicht herb und angenehm würzig, manchmal mit einer leichten Zimtnote.

Im Brand zeigt sich das typische Zwetschgenaroma mit leichten Anklängen von Marzipan und würzigen Noten.

 

Die Schlehe wächst zumeist als Busch oder kleiner Baum, häufig an Wegrändern oder Böschungen. Die Zweige sind dornenbesetzt, was die Ernte nicht nur aufwändig, sondern auch schmerzhaft macht.
Die Schlehe (oder Schwarzdorn) ist eine der ersten Blühpflanzen, so dass sie weithin auffällt. Schlehensträucher sind ein willkommener Unterstand für das Wild. Die kleinen blauen und runden Früchte reifen ab September, sind wegen des hohen Gerbstoffgehaltes aber erst genießbar, wenn sie den ein oder anderen Nachtfrost durchgemacht haben.
Aus den zuckerarmen Früchten lassen sich hocharomatische Geiste gewinnen.

Beerenobst

Die großfruchtige Kulturerdbeere, wie wir sie heute kennen, entstand um 1750 als zufällige Kreuzung zwischen der Chile-Edbeere und der Scharlach-Erdbeere. Bis dahin war in Europa lediglich die einheimische kleinfruchtige Walderdbeere kultiviert worden.

Erdbeeren werden in der Ortenau dank des milden Klimas im Südwesten und der damit verbundenen frühen Reife in großen Mengen angebaut. 

Die Erdbeeren ist die erste einheimische Frucht, die je nach Kulturform bereits ab Mitte April genossen werden kann. Im Mai reifen dann große Mengen an Erdbeeren verschiedenster Sorten im Freien heran. Das bietet die Möglichkeit, die aromatischsten Sorten und den perfekten Reifezeitpunkt als Grundlagen für einen Erdbeerbrand zu wählen. Denn Erdbeeren reifen nach der Ernte nicht nach. Und dann ist viel Handarbeit und Eile geboten, weil vollreife Erdbeeren nach der Ernte schnell verderben. Dass sich der Aufwand gelohnt hat, weiß man spätestens, wenn man die erste Nase voll des unverkennbaren Erdbeerbrandes genommen hat.

 

Himbeeren werden schon seit vielen Jahrhunderten angebaut. Das liegt nicht nur an den vielfältigen Heilwirkungen der Pflanze, sondern sicherlich auch an dem hervorragenden Geschmack reifer Himbeeren.
Die an Stauden wachsenden Himbeeren reifen ab Juni. Da Himbeeren nicht nachreifen, ist die Ernte zum perfekten Zeitpunkt ganz wichtig, um das volle Aroma in den Früchten zu haben. Daher ist es ideal, dass Himbeeren bei uns im Hausgarten und in Ortsnähe kultiviert werden. So kann ich leicht nur die besten Früchte für meinen Himbeergeist ernten und verwenden.

Sonstiges obst

Die Walnuss ist eine ganz besonders wertvolle Pflanze. Sie wird bereits seit vielen Jahrhunderten wegen ihrer Früchte, aber auch wegen ihres Holzes angebaut. Ebenso wurden die Blätter, die Nussschalen und die äußeren grünen Schalen verwendet.
Aus den Nüssen lassen sich viele leckere und gesunde Dinge herstellen, wie beispielsweise Walnussöl oder Krokant.

Unsere Walnussbäume sind zwischen zehn und 40 Jahren alt und tragen reich und regelmäßig. Ab Ende September beginnt die Ernte, und zwar dann, wenn die reifen Nüsse auf den Boden fallen.
Aus den grünen Nüssen im Juni entsteht die „Grüne-Walnuss“-Spirituose. 

Die Kerne der reifen Walnüsse sind die Basis für den besonders feinen und vollmundigen Walnussgeist.

 
Der Holunder ist tief im Volksglauben verwurzelt. Der Holunderstrauch beim Haus galt unseren Vorfahren als Lebensbaum. Er schützte vor Feuer und Blitzeinschlag. Auch beherbergte er wohlgesinnte Hausgeister, was den Strauch in vielen Hausgärten heimisch werden ließ. Sowohl die Beeren als auch die Blüten des Holunders enthalten wertvolle Stoffe, so dass beide in Hausmitteln reichlich zur Anwendung kommen. Den in den Pflanzenteilen enthaltenen Antioxidantien wird sogar eine Verlangsamung des Alterungsprozesses nachgesagt.
 
Die mannigfaltigen positiven Eigenschaften und die geringen Standortansprüche des Strauches haben zu seiner weiten Verbreitung beigetragen. Ich kultiviere einige Holunderpflanzen, die sehr gut gedeihen und reichlich tragen. Holunderblüten haben einen sehr intensiven Duft. Aus den Blüten gewinne ich einen intensiven Sirup. Und aus den Beeren lässt sich ein sehr aromatischer Saft gewinnen. Dieser und der Blütensirup bilden die Grundlagen für meinen exzellenten Holunderlikör. Außerdem verwende ich Blüten und Beeren, um meinem Gin seinen unverkennbaren intensiven Duft und Geschmack zu verleihen.
 
In den vergangenen Jahren hat ungünstige Witterung zur Reifezeit mehrfachzu einem Totalausfall durch die eingeschleppte Kirschessigfliege geführt. Damit werden die Holunderernten wohl auch in Zukunft rar werden, was die Produkte aus dem Holunder noch seltener und wertvoller machen dürfte.
Zitronen sind natürlich keine klassischen Früchte des Ortenauer Obstgartens. Man verortet sie eher in mediterranen Ländern wie Italien oder Spanien. Allerdings lässt sich Zitrone als Kübelpflanzen inzwischen auch bei uns wunderbar kultivieren, sofern man ein geeignetes Winterquartier bieten kann.
 
Meine Zitronenbäume sind inzwischen bis zu 20 Jahren alt und tragen jeden Winter wunderschöne und sehr aromatische Früchte. So sind die Zitronen stets die letzten Früchte des Jahres, die ich ernte. Was ursprünglich als Zierpflanze gedacht war, hat dank der reichen Ernte und der schmackhaften Früchte Eingang in meine Brennerei gefunden.